
Das möchte ich mal werden … – und was das Jetzt bereit hält
Januar 20, 2026Erschafft Bewusstsein die Realität? Neue Forschung zwischen Physik und Advaita
Bewusstsein und Quantenphysik gehören zu den beiden Feldern, die unser Verständnis von Wirklichkeit seit über hundert Jahren herausfordern. Die Quantenphysik, weil sie zeigt, dass die Welt auf fundamentaler Ebene nicht unabhängig vom Beobachten beschrieben werden kann. Das Bewusstsein, weil bis heute unklar ist, wie subjektives Erleben überhaupt in ein physikalisches Weltbild passt.
Seit den frühen Debatten um den Beobachtereffekt wird in der Physik darum gerungen, welche Rolle dem Beobachten zukommt: Ist es lediglich ein technischer Messvorgang oder berührt es etwas Grundsätzlicheres? Lange Zeit galt es als wissenschaftlich sauberer Weg, Bewusstsein aus den physikalischen Theorien auszuklammern und als spätes Nebenprodukt neuronaler Prozesse zu betrachten. Doch diese Ausklammerung hinterlässt offene Fragen, die bis heute nicht gelöst sind.
Vor diesem Hintergrund sorgt ein aktuelles theoretisches Paper aus der Quantenforschung für Aufmerksamkeit. Darin wird vorgeschlagen, Bewusstsein nicht länger als abgeleitetes Phänomen der Materie zu denken, sondern als ein grundlegendes Feld, aus dem Raum, Zeit und materielle Strukturen hervorgehen. Es ist ein Ansatz, der das gängige materialistische Paradigma infrage stellt, nicht polemisch, sondern formal und begrifflich präzise.
Auffällig ist dabei weniger die Radikalität der These als ihre Resonanz. Denn ähnliche Annahmen finden sich seit Jahrhunderten in nichtdualen philosophischen Traditionen wie dem Advaita: die Vorstellung, dass Bewusstsein nicht im Universum erscheint, sondern dass das Universum im Bewusstsein erscheint. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob moderne Physik nun „spirituelle Wahrheiten bestätigt“, sondern ob sich hier zwei Erkenntniswege an einer gemeinsamen Grenze begegnen.
Dieser Artikel ordnet das neue Modell ein: aus physikalischer, erkenntnistheoretischer und philosophischer Perspektive. Er fragt, was genau behauptet wird – und was nicht. Und er geht der Frage nach, warum die Verbindung von Bewusstsein und Quantenphysik nicht nur ein theoretisches Problem ist, sondern viele Menschen existenziell berührt.
Was sagt die Quantenphysik über Bewusstsein?
Die Quantenphysik hat das klassische Weltbild der Physik grundlegend erschüttert. Während in der klassischen Mechanik davon ausgegangen wird, dass Objekte unabhängig von ihrer Beobachtung existieren und messbar sind, zeigt die Quantenmechanik ein anderes Bild: Auf fundamentaler Ebene lassen sich Eigenschaften eines Systems nicht unabhängig vom Messvorgang beschreiben.
Zentral ist dabei die Einsicht, dass Teilchen vor einer Messung nicht eindeutig festgelegte Eigenschaften besitzen. Stattdessen werden sie durch Wahrscheinlichkeitsfunktionen beschrieben, die erst im Moment der Messung einen konkreten Wert annehmen. Dieses Phänomen wirft eine bis heute offene Frage auf: Was genau bewirkt diesen Übergang von Möglichkeit zu Wirklichkeit?
In der etablierten physikalischen Praxis wird diese Frage häufig pragmatisch umgangen. Das formale Rechenwerk funktioniert, die Vorhersagen sind präzise – also wird die ontologische Bedeutung des Messvorgangs ausgeklammert. Bewusstsein erscheint in diesem Rahmen höchstens indirekt, etwa als Eigenschaft eines experimentellen Aufbaus oder als kognitive Leistung des Forschers, nicht jedoch als Bestandteil der Theorie selbst.
Dennoch ist auffällig, dass sich Bewusstsein nie vollständig aus der Diskussion verdrängen ließ. Immer dann, wenn es um die Grundlagen der Quantenphysik geht, taucht es erneut auf: im Zusammenhang mit dem Beobachtereffekt, dem Kollaps der Wellenfunktion oder der Frage, was überhaupt als „Messung“ gilt. Diese Probleme markieren keine Randfragen, sondern berühren den Kern dessen, was physikalische Realität bedeutet.
Wichtig ist dabei eine begriffliche Klarstellung. Wenn in der Quantenphysik von Bewusstsein gesprochen wird – explizit oder implizit –, geht es nicht um subjektives Erleben, Gefühle oder persönliche Innenwelten. Gemeint ist vielmehr die Frage, ob Realität vollständig ohne Bezug auf Beobachtung beschrieben werden kann oder ob Beobachtung selbst eine konstitutive Rolle spielt.
Genau an diesem Punkt öffnet sich der Raum für neuere theoretische Ansätze. Sie setzen nicht bei psychologischen Modellen an, sondern bei den ungelösten Grundannahmen der Physik selbst. Die Frage lautet dann nicht mehr, wie Bewusstsein aus Materie entsteht, sondern ob Materie überhaupt ohne eine grundlegende Form von Bewusstheit gedacht werden kann.
Damit wird Bewusstsein von einem Randphänomen zu einer erkenntnistheoretischen Schlüsselfrage. Nicht als Erklärungslücke, sondern als möglicher Ausgangspunkt für ein erweitertes Verständnis von Realität.
Das Beobachterproblem und das Messproblem der Quantenmechanik
Zu den zentralen ungelösten Fragen der Quantenphysik gehören das Beobachterproblem und das eng damit verbundene Messproblem. Beide markieren den Punkt, an dem die formale Beschreibung der Quantenmechanik an ihre begrifflichen Grenzen stößt.
Im mathematischen Formalismus wird der Zustand eines quantenphysikalischen Systems durch eine Wellenfunktion beschrieben. Diese enthält nicht eine konkrete Realität, sondern eine Vielzahl möglicher Zustände, Wahrscheinlichkeiten dafür, wie sich ein System bei einer Messung verhalten könnte. Erst im Moment der Messung geht diese Vielzahl an Möglichkeiten in einen konkreten Messwert über. Dieser Übergang wird als Kollaps der Wellenfunktion bezeichnet.
Das Problem dabei ist nicht, dass der Kollaps stattfindet, sondern dass die Theorie selbst nicht erklären kann, wann, warum und wodurch er geschieht. Der Messvorgang erscheint im Formalismus als etwas qualitativ anderes als die übrige physikalische Dynamik. Damit entsteht eine Trennung zwischen dem quantenmechanisch beschriebenen System und dem Akt der Beobachtung, die theoretisch nicht sauber aufgelöst ist.
Der Beobachtereffekt – warum Beobachtung nicht neutral ist
Der sogenannte Beobachtereffekt wird häufig missverstanden. Er bedeutet nicht, dass ein menschliches Bewusstsein durch Aufmerksamkeit oder Absicht die Realität „erschafft“. Gemeint ist vielmehr, dass jede Messung notwendigerweise eine Wechselwirkung darstellt. Um etwas zu messen, muss das System mit einem Messgerät interagieren, und diese Interaktion verändert den Zustand des Systems.
Doch auch diese Erklärung reicht nicht aus. Denn selbst wenn Messgeräte vollständig automatisiert sind, bleibt die Frage bestehen, ab welchem Punkt ein quantenmechanisches System als „gemessen“ gilt. Ist es die Wechselwirkung mit dem Gerät? Die Registrierung eines Ergebnisses? Oder erst das Vorliegen eines eindeutig bestimmten Zustands, der klassisch beschreibbar ist?
Hier zeigt sich, dass Beobachtung in der Quantenphysik nicht bloß ein technischer Vorgang ist, sondern eine konzeptuelle Grenze markiert: den Übergang von quantenmechanischer Möglichkeit zu klassischer Wirklichkeit.
Das Messproblem – eine offene Wunde der Physik
Das Messproblem der Quantenmechanik besteht genau darin, dass dieser Übergang im Rahmen der Theorie nicht erklärt werden kann. Unterschiedliche Interpretationen versuchen, diese Lücke zu schließen: Manche verlagern den Kollaps in verborgene Variablen, andere postulieren viele parallele Welten, in denen alle Möglichkeiten realisiert sind. Wieder andere verzichten ganz auf eine ontologische Deutung und begnügen sich mit der Rechenvorschrift.
Gemeinsam ist all diesen Ansätzen, dass sie das Problem nicht auflösen, sondern umdeuten. Entweder wird der Beobachter ausgeklammert, vervielfältigt oder begrifflich neutralisiert. Die eigentliche Frage, was Realität im Moment der Messung bedeutet, bleibt bestehen.
Genau an dieser Stelle setzen neuere theoretische Überlegungen an. Sie fragen nicht mehr nur, wie sich das Messproblem technisch umgehen lässt, sondern ob die Grundannahme selbst hinterfragt werden muss: die Vorstellung, dass Bewusstsein etwas ist, das erst in einer bereits bestehenden Welt entsteht.
Damit wird das Messproblem zum Dreh- und Angelpunkt einer tiefergehenden Fragestellung. Nicht als Hinweis auf ein Versagen der Physik, sondern als Signal dafür, dass das Verhältnis von Bewusstsein, Beobachtung und Realität grundlegender neu gedacht werden könnte.
Bewusstsein als fundamentales Feld – worum es in der neuen Forschung geht
Das aktuelle theoretische Modell, das in der Debatte um Bewusstsein und Quantenphysik neue Aufmerksamkeit erhält, setzt genau an den offenen Stellen der bisherigen Physik an. Es schlägt vor, die gewohnte Richtung des Erklärens umzukehren: Nicht Bewusstsein entsteht aus Materie, sondern Materie entsteht innerhalb eines grundlegenden Bewusstseinsfeldes.
Dabei ist mit Bewusstsein ausdrücklich kein individuelles, psychologisches oder personales Erleben gemeint. Das Modell spricht von einem universellen, nicht-lokalen Bewusstsein – einem fundamentalen Feld, das den physikalischen Feldern vorgelagert ist. Raum, Zeit, Energie und Materie erscheinen in diesem Ansatz nicht als letzte Gegebenheiten, sondern als Strukturen, die aus diesem Feld hervorgehen.
Der entscheidende Schritt besteht darin, Bewusstsein nicht länger als Sonderproblem der Neurowissenschaften zu behandeln, sondern als ontologische Grundannahme. Ähnlich wie Raumzeit oder Energie wird Bewusstsein hier als etwas gedacht, das nicht weiter reduziert werden kann. Es ist nicht das Ergebnis komplexer Prozesse, sondern die Bedingung, unter der Prozesse überhaupt beschrieben werden können.
Physikalisch formuliert versucht das Modell, Bewusstsein als eine Art invariantes Hintergrundfeld zu fassen, das Informationsprozesse ermöglicht. Messungen, Beobachtungen und die scheinbare „Festlegung“ von Realität werden dann nicht mehr als externe Eingriffe verstanden, sondern als interne Dynamiken dieses Feldes. Der Kollaps der Wellenfunktion verliert damit seinen Ausnahmecharakter und wird zu einem Ausdruck einer tieferen Ordnung.
Wichtig ist: Das Paper erhebt nicht den Anspruch, empirische Beweise für Bewusstsein als Urgrund zu liefern. Es handelt sich um ein theoretisches Modell, das auf Konsistenz, mathematische Anschlussfähigkeit und begriffliche Klarheit zielt. Sein Wert liegt nicht in experimentellen Resultaten, sondern darin, einen alternativen Rahmen vorzuschlagen, innerhalb dessen bekannte Probleme der Quantenphysik neu gelesen werden können.
Gerade darin unterscheidet sich dieser Ansatz von populären Deutungen, die Quantenphysik zur Bestätigung spiritueller Annahmen heranziehen. Hier geht es nicht um Erfahrung, Erleuchtung oder Sinn, sondern um die Frage, welches Grundprinzip ein kohärentes Verständnis von Realität ermöglichen könnte. Bewusstsein erscheint in diesem Zusammenhang nicht als Erklärung für alles – sondern als notwendige Voraussetzung dafür, dass überhaupt etwas erklärt werden kann.
Mit diesem Schritt verschiebt sich der Fokus der Debatte. Die Frage lautet nun nicht mehr, wie Bewusstsein in einer materiellen Welt entsteht, sondern wie eine materielle Welt innerhalb eines bewussten Universums beschrieben werden kann. Genau diese Verschiebung macht das Modell anschlussfähig für philosophische Traditionen – und zugleich so herausfordernd für den etablierten physikalischen Mainstream.
Was diese Theorie von Maria Strømme nicht behauptet
Gerade weil die These eines fundamentalen Bewusstseinsfeldes weitreichend ist, ist eine klare Abgrenzung entscheidend. Das vorgestellte Modell wird häufig missverstanden oder vorschnell in bekannte Deutungsmuster eingeordnet. Umso wichtiger ist es, präzise zu benennen, was hier nicht gesagt wird.
Zunächst behauptet die Theorie nicht, dass individuelles menschliches Bewusstsein die Realität erschafft. Es geht weder um Gedanken, Absichten noch um subjektives Erleben im psychologischen Sinn. Das alltägliche Ich-Bewusstsein spielt in diesem Modell keine privilegierte Rolle. Bewusstsein wird hier nicht personal gedacht, sondern als universelles, strukturelles Prinzip, das allen Erscheinungen zugrunde liegt.
Ebenso wenig handelt es sich um eine esoterische oder spirituelle Lehre. Das Modell liefert keine Anleitung zur Lebensführung, keine Heilsversprechen und keine Aussagen über Sinn, Zweck oder moralische Ordnung des Universums. Es beschreibt keine Erfahrung und erhebt keinen Anspruch darauf, durch innere Einsicht bestätigt zu werden. Sein Anspruch ist begrifflich und formal – nicht existenziell oder religiös.
Auch ist das Paper kein Angriff auf Naturwissenschaft oder Rationalität. Im Gegenteil: Es bewegt sich vollständig innerhalb eines wissenschaftlichen Diskurses und reagiert auf reale theoretische Probleme der Physik. Die Kritik richtet sich nicht gegen empirische Forschung, sondern gegen bestimmte ontologische Vorannahmen, insbesondere gegen den stillschweigenden Materialismus, der Materie als letzte Realität setzt.
Wichtig ist zudem, dass die Theorie keinen experimentellen Nachweis für Bewusstsein als Urgrund beansprucht. Sie ist nicht falsifizierend im klassischen Sinn, sondern paradigmatisch: Sie schlägt eine andere Ausgangsbasis vor, von der aus bekannte Phänomene neu interpretiert werden können. Damit steht sie in einer Reihe mit anderen Grundannahmen der Physik, die selbst nicht experimentell bewiesen, sondern durch ihre Erklärungskraft gerechtfertigt werden.
Schließlich bedeutet Bewusstsein als fundamentales Feld auch nicht, dass „alles Bewusstsein ist“ im simplifizierenden Sinn. Materie, Energie und physikalische Gesetzmäßigkeiten verlieren in diesem Modell nicht ihre Gültigkeit. Sie werden nicht negiert, sondern relational verstanden: als Ausdrucksformen innerhalb eines umfassenderen Rahmens.
Diese Abgrenzungen sind entscheidend, um die Theorie nicht zu überdehnen. Ihr Beitrag liegt nicht darin, bestehende Weltbilder zu bestätigen oder zu widerlegen, sondern darin, die Frage nach den Grundlagen neu zu stellen. Erst vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum sich an diesem Punkt Berührungslinien zu nichtdualen Philosophien ergeben – ohne dass daraus eine Gleichsetzung folgt.
Nichtdualität und Wissenschaft – Berührungspunkte mit Advaita
An dem Punkt, an dem die Physik beginnt, Bewusstsein als grundlegendes Prinzip zu denken, entsteht zwangsläufig eine Nähe zu nichtdualen philosophischen Traditionen. Besonders deutlich wird diese Resonanz im Advaita, einer Denkrichtung, die seit Jahrhunderten davon ausgeht, dass Bewusstsein nicht ein Teil der Welt ist, sondern die Bedingung, unter der Welt erscheint.
Advaita formuliert diese Einsicht nicht als Theorie, sondern als Erkenntnisweg. Die zentrale Annahme lautet, dass die Trennung zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Beobachter und Beobachtetem, keine letzte Realität besitzt. Bewusstsein ist hier nicht etwas, das jemand „hat“, sondern das, worin alle Erfahrungen, Gedanken und Wahrnehmungen auftauchen. Die Welt wird nicht erzeugt, sondern erscheint – und zwar im Bewusstsein.
Genau hier zeigt sich eine strukturelle Parallele zur aktuellen Diskussion in der Quantenphysik. Auch dort gerät die klassische Trennung zwischen Beobachter und beobachteter Welt ins Wanken. Die Vorstellung einer vollständig objektiven Realität, die unabhängig von Beobachtung existiert, lässt sich auf quantenmechanischer Ebene nicht aufrechterhalten. Realität erscheint vielmehr als etwas Relationales, als Ergebnis eines Zusammenspiels von Möglichkeit, Messung und Kontext.
Wichtig ist jedoch, diese Parallele nicht vorschnell als Übereinstimmung zu deuten. Advaita und moderne Physik operieren auf unterschiedlichen Ebenen. Advaita zielt auf direkte Einsicht in die Natur des Selbst und der Wirklichkeit. Die Physik hingegen arbeitet mit formalen Modellen, mathematischen Strukturen und theoretischen Annahmen. Was sich ähnelt, ist nicht der Weg, sondern der Punkt, an dem beide an eine Grenze stoßen.
Diese Grenze betrifft die Frage nach dem Primären. Ist Materie die Grundlage, aus der Bewusstsein hervorgeht – oder ist Bewusstsein die Voraussetzung dafür, dass Materie überhaupt als solche erscheinen kann? Advaita beantwortet diese Frage eindeutig zugunsten des Bewusstseins. Die neue physikalische Forschung stellt sie erstmals wieder offen, ohne sie dogmatisch festzulegen.
Gerade darin liegt die Bedeutung dieser Berührungspunkte. Es geht nicht darum, spirituelle Lehren wissenschaftlich zu legitimieren oder physikalische Modelle philosophisch aufzuladen. Vielmehr zeigt sich, dass unterschiedliche Erkenntnistraditionen unabhängig voneinander an dieselbe Grundfrage gelangen. Nicht als Abschluss, sondern als offene Herausforderung: Wie lässt sich eine Wirklichkeit denken, in der Bewusstsein nicht am Rand, sondern im Zentrum steht?
An dieser Stelle wird deutlich, warum das Thema Bewusstsein und Quantenphysik über eine rein akademische Debatte hinausweist. Es berührt nicht nur die Struktur unserer Theorien, sondern auch die Art und Weise, wie wir uns selbst und unsere Beziehung zur Welt verstehen.
Erschafft Bewusstsein die Realität? Eine präzise Einordnung
Die Frage, ob Bewusstsein die Realität erschafft, wird im Zusammenhang von Bewusstsein und Quantenphysik häufig zugespitzt gestellt. Sie ist eingängig, provokant – und zugleich missverständlich. Denn sie legt nahe, dass Bewusstsein als eine Art handelnde Instanz verstanden wird, die aktiv eine Welt hervorbringt. Genau diese Vorstellung greift jedoch zu kurz.
Weder das physikalische Modell eines fundamentalen Bewusstseinsfeldes noch nichtduale Philosophien wie der Advaita behaupten, dass Realität im Sinne eines bewussten Aktes „gemacht“ wird. Bewusstsein ist hier kein Urheber, der etwas produziert, sondern die Bedingung, unter der etwas erscheinen kann. Es geht nicht um Kausalität, sondern um Ermöglichung.
In der Quantenphysik zeigt sich diese Unterscheidung besonders deutlich. Der Messvorgang ist kein schöpferischer Akt des Beobachters, sondern ein Prozess, in dem sich Möglichkeiten in konkrete Zustände übersetzen. Wenn Bewusstsein in diesem Zusammenhang eine Rolle spielt, dann nicht als Ursache einzelner Ereignisse, sondern als Rahmen, innerhalb dessen Realität überhaupt bestimmt werden kann.
Auch Advaita spricht nicht von einem erschaffenden Bewusstsein im aktiven Sinn. Die Welt wird nicht hervorgebracht, sondern erscheint im Bewusstsein – ähnlich wie Bilder auf einer Leinwand erscheinen, ohne dass die Leinwand selbst etwas tut. Diese Metapher verweist auf eine grundlegende Asymmetrie: Erscheinungen kommen und gehen, das Bewusstsein, in dem sie erscheinen, bleibt davon unberührt.
Die Frage „Erschafft Bewusstsein die Realität?“ lässt sich daher präziser umformulieren: Ist Bewusstsein die Voraussetzung dafür, dass etwas als Realität erfahren und beschrieben werden kann? In dieser Form verliert die Frage ihren spekulativen Charakter und wird erkenntnistheoretisch fruchtbar.
Gerade diese Verschiebung ist entscheidend, um Missverständnisse zu vermeiden. Sie trennt den hier diskutierten Ansatz klar von populären Vorstellungen, in denen Gedanken die Welt formen oder Realität nach Belieben manifestiert werden kann. Solche Konzepte verfehlen sowohl die physikalische als auch die philosophische Tiefe der Debatte.
Stattdessen rückt eine nüchterne, aber weitreichende Einsicht in den Mittelpunkt: Realität ist nicht einfach gegeben, sondern immer schon in ein Verhältnis eingebettet – ein Verhältnis von Möglichkeit, Beobachtung und Bedeutung. Bewusstsein markiert in diesem Zusammenhang keinen Ursprung im zeitlichen Sinn, sondern einen strukturellen Horizont, ohne den Wirklichkeit nicht sinnvoll gedacht werden kann.
Warum diese Debatte uns persönlich berührt
Die Frage nach dem Verhältnis von Bewusstsein und Realität ist nicht nur ein theoretisches Problem der Physik oder Philosophie. Sie berührt grundlegende Annahmen darüber, wer wir sind und wie wir in der Welt stehen. Genau darin liegt der Grund, warum die Diskussion um Bewusstsein und Quantenphysik weit über den akademischen Raum hinaus Aufmerksamkeit findet.
Wenn Bewusstsein nicht als Produkt einer materiellen Welt verstanden wird, sondern als Voraussetzung dafür, dass Welt überhaupt erfahren und beschrieben werden kann, verschiebt sich der Blick auf das eigene Selbst. Identität ist dann nicht mehr ausschließlich an Körper, Biografie oder Leistung gebunden. Das Erleben eines „Ich“ erscheint weniger als fest umrissene Entität, sondern als Teil eines größeren Zusammenhangs, der nicht vollständig kontrollierbar ist.
Diese Perspektive kann verunsichern, aber auch entlasten. Viele Menschen erleben einen permanenten Druck, sich selbst zu optimieren, zu steuern oder zu erklären. Die Vorstellung, dass Bewusstsein nicht etwas ist, das man besitzen oder herstellen muss, sondern etwas, in dem Erfahrungen auftauchen, stellt dieses Selbstverständnis infrage. Sie relativiert den Anspruch, alles im Griff haben zu müssen. Hier fragt sich: Wer hat die Kontrolle über dieses Leben?
Auch im zwischenmenschlichen Bereich hat diese Sichtweise Konsequenzen. Wenn Realität nicht strikt objektiv und unabhängig ist, sondern immer relational entsteht, verändert sich der Umgang mit Unterschiedlichkeit, Wahrnehmung und Wahrheit. Perspektiven werden nicht beliebig, aber sie werden situativ. Das eröffnet Raum für Dialog, statt auf eindeutigen Deutungen zu bestehen.
Nicht zuletzt erklärt diese Debatte, warum nichtduale Ansätze für viele Menschen eine starke Resonanz erzeugen. Sie liefern weniger Antworten als einen Erfahrungsraum, in dem sich das Verhältnis von Innen und Außen, von Selbst und Welt neu ordnen kann. Die moderne Physik bestätigt diese Erfahrungen und sie widerspricht ihnen auch grundsätzlich immer weniger.
Gerade hier zeigt sich die eigentliche Bedeutung der aktuellen Forschung. Sie zwingt nicht dazu, bestehende Weltbilder aufzugeben, sondern lädt dazu ein, sie zu relativieren. Bewusstsein wird dabei nicht zur Lösung aller Probleme, sondern zu einem Bezugspunkt, der Fragen vertieft statt sie vorschnell zu schließen. Welche Bedeutung hat es für mein eigenes Leben, wenn alles eins ist, wenn Einssein Realität ist?
Damit wird verständlich, warum die Diskussion um Bewusstsein und Quantenphysik nicht als abstraktes Gedankenspiel erlebt wird. Sie berührt existenzielle Themen: Kontrolle und Vertrauen, Identität und Zugehörigkeit, Trennung und Verbundenheit. Nicht, weil sie Antworten liefert – sondern weil sie an eine Grenze führt, an der viele Menschen ohnehin schon stehen.
Oder hattest du wirklich erwartet, dass dein Gehirn das Universum erschafft?
Grenzen, Kritik und offene Fragen
So weitreichend die Annahmen eines fundamentalen Bewusstseinsfeldes auch sind – sie bleiben nicht ohne Kritik. Gerade im wissenschaftlichen Diskurs ist es entscheidend, diese Einwände ernst zu nehmen, um die Debatte um Bewusstsein und Quantenphysik nicht zu ideologisieren.
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die Falsifizierbarkeit. Viele Physiker wenden ein, dass Modelle, die Bewusstsein als ontologische Grundlage setzen, schwer oder gar nicht experimentell überprüfbar sind. Wenn Bewusstsein selbst die Bedingung aller Messung ist, stellt sich die Frage, wie es innerhalb desselben Rahmens empirisch getestet werden kann. Damit bewegt sich der Ansatz an der Grenze dessen, was klassisch als Naturwissenschaft gilt.
Hinzu kommt der Vorwurf, dass solche Modelle philosophische Probleme in die Physik verlagern. Begriffe wie Bewusstsein, Erfahrung oder Bedeutung seien erkenntnistheoretisch hoch aufgeladen und ließen sich nicht ohne Weiteres in mathematische Strukturen übersetzen. Kritiker befürchten, dass dadurch eher neue Unklarheiten entstehen, statt bestehende zu beseitigen.
Auch aus physikalischer Sicht bleibt offen, ob ein Bewusstseinsfeld tatsächlich erklärungsmächtiger ist als bestehende Interpretationen der Quantenmechanik. Viele konkurrierende Modelle – von Vielwelten-Interpretationen bis hin zu informationsbasierten Ansätzen – kommen ohne eine explizite Bezugnahme auf Bewusstsein aus und sind dennoch konsistent. Die Frage ist daher nicht, ob Bewusstsein eine mögliche Grundlage ist, sondern ob es eine notwendige ist.
Gleichzeitig weisen Befürworter darauf hin, dass jede physikalische Theorie auf nicht weiter begründbaren Grundannahmen beruht. Raum, Zeit, Energie oder Information sind selbst keine empirisch bewiesenen Entitäten, sondern theoretische Setzungen, die sich durch ihre Erklärungskraft rechtfertigen. In diesem Sinne stellt Bewusstsein als Grundannahme keinen Sonderfall dar, sondern reiht sich in eine lange Tradition paradigmatischer Verschiebungen ein.
Offen bleibt zudem, wie sich ein universelles Bewusstsein konkret zur erlebten Vielfalt individueller Perspektiven verhält. Wie entstehen Subjektivität, Differenz und individuelle Erfahrung innerhalb eines nicht-lokalen Feldes? Diese Frage wird weder von der Physik noch von der Philosophie abschließend beantwortet und markiert einen weiteren Forschungsbedarf. Das zeigt zudem meine Erfahrung, denn Bewusstsein ist nicht beweisbar, aber erlebbar.
Gerade diese offenen Punkte machen deutlich, dass es sich hier nicht um eine abgeschlossene Theorie handelt. Vielmehr deutet sich ein Suchprozess an, der die Grenzen zwischen Physik, Philosophie und Erkenntnistheorie neu verhandelt. Bewusstsein wird dabei nicht zur letzten Erklärung, sondern zum Prüfstein dafür, wie weit unsere bisherigen Modelle tragen. Ich vermute, dass die schwedische Forscherin Maria Strømme die Erfahrung kennt, Bewusstsein zu sein. Ohne diesen Erfahrungsraum (der kein Persönlicher ist), kann sie meines Erachtens diese Forschungs-Aussage nicht treffen.
Eine offene Grenze zwischen Bewusstsein und Wirklichkeit
Die aktuelle Debatte um Bewusstsein und Quantenphysik markiert keinen Durchbruch im Sinne einer endgültigen Antwort. Sie zeigt vielmehr, dass einige der grundlegenden Annahmen, auf denen unser Verständnis von Realität beruht, erneut zur Disposition stehen. Nicht, weil sie widerlegt wären, sondern weil sie an Grenzen stoßen, die sich nicht länger ignorieren lassen. Die schwedische Forscherin hat einfach einen Pflock ins Universum gerammt und damit ihre Position oder Ihr Erleben deutlich gemacht.
Das vorgestellte theoretische Modell, das Bewusstsein als fundamentales Feld denkt, löst die offenen Probleme der Quantenphysik nicht auf. Es verschiebt jedoch den Blickwinkel. Anstatt zu fragen, wie Bewusstsein in einer bereits bestehenden materiellen Welt entsteht, wird die Frage umgekehrt: Unter welchen Bedingungen kann eine Welt überhaupt als Realität erscheinen?
In dieser Verschiebung liegt die eigentliche Bedeutung des Ansatzes. Er zwingt nicht dazu, physikalische Theorien aufzugeben oder philosophische Traditionen zu übernehmen. Er fordert lediglich dazu auf, die Beziehung zwischen Beobachtung, Erfahrung und Wirklichkeit neu zu betrachten. Bewusstsein wird dabei nicht nur mystifiziert, sondern als möglicher Rahmen verstanden, innerhalb dessen physikalische Beschreibungen sinnvoll werden.
Dass sich an diesem Punkt Berührungslinien zu nichtdualen Denkweisen wie dem Advaita zeigen, ist bemerkenswert, und könnte ein Beweis für eine inhaltliche Übereinstimmung sein. Es deutet darauf hin, dass unterschiedliche Erkenntniswege (wissenschaftliche wie kontemplative) an ähnliche Grenzen gelangen, wenn sie die Frage nach dem Grund der Wirklichkeit konsequent verfolgen. Die einen über Theorie und die anderen überlieferte, verkörperte Erfahrung.
Vielleicht liegt genau hier der produktive Wert dieser Diskussion. Nicht darin, Bewusstsein zum letzten Erklärungsprinzip zu erheben, sondern darin, offen zu halten, was sich einer eindeutigen Festlegung entzieht. Zwischen physikalischem Modell und philosophischer Einsicht entsteht ein Raum, der weniger Antworten liefert als Orientierung und möglichen Erfahrungsraum.
Bewusstsein und Quantenphysik begegnen sich an dieser Grenze nicht als konkurrierende Weltbilder, sondern als zwei Versuche, Modelle von Wirklichkeit in Übereinstimmung zu bringen. Ob daraus ein neues Paradigma entsteht, bleibt offen. Sicher ist nur, dass die Frage nach dem Bewusstsein damit nicht länger an den Rand gedrängt werden kann – weder in der Physik noch in unserem eigenen Verständnis von Realität.
Literatur & weiterführende Quellen
Einssein – eine Einladung, jenseits von Konzepten zu schauen. Melde dich zum Newsletter an und du erhältst das Buch zum Download für 0 €.
YouTube Doku zum Paper: Nano-Professorin schockt Wissenschaft: Bewusstsein erschuf das Universum
Hi, ich bin Shivani
Bloggerin und Podcasterin bei Madhukar Enlighten Life. Seit 2004 kenne ich Madhukar und tue was ich kann, damit seine effektive Botschaft des Glücklichseins ganz viele Menschen erreicht. Dieser Beitrag ist aus meiner Feder gehüpft und ChatGpt hat mir ein wenig dabei geholfen.





